Wie lösen Sie einen festsitzenden Anker?
Wie lösen Sie einen festsitzenden Anker während Ihres Segelurlaubs in Kroatien?
Früher oder später erlebt es jede Skipperin und jeder Skipper. Die Bucht ist ruhig, die Crew zufrieden, der Kaffee ist fertig und es ist Zeit, aufzubrechen. Sie beginnen, den Anker zu heben, die Ankerwinde läuft, die Kette spannt sich, und dann geht nichts mehr. Der Anker sitzt fest, das Boot bewegt sich nicht.
Passiert das in Kroatien, bewahren Sie Ruhe und greifen Sie nicht vorschnell zum Messer. Ein festsitzender Anker ist lästig, aber mit kühlem Kopf und System meist gut zu beherrschen. Das Wichtigste ist simpel: Die Lösung liegt selten in roher Gewalt. Wer mit Gewalt arbeitet, erzielt oft genau das Gegenteil.
In den meisten Fällen befreien Sie den Anker, indem Sie den richtigen Winkel finden und gleichmäßigen, kontrollierten Zug aufbauen.
Diese Anleitung zeigt, wie Sie Ihren Anker sicher mit dem Boot freibekommen, was zu tun ist, wenn Leine oder Kette versagen oder verloren gehen, und wie Sie das Risiko eines erneut festsitzenden Ankers für den Rest Ihres Törns verringern. Alle Beispiele beziehen sich auf kroatische Gewässer und typische Bedingungen in der Adria, damit Sie die Tipps direkt auf Ihrem Charter anwenden können.

Das Wichtigste zuerst: Wenn der Anker feststeckt
Bevor Sie stärker ziehen, prüfen Sie kurz die Sicherheit. Ein festsitzender Anker kann zur Gefahr werden, wenn Sie nur auf die Kette achten und die Umgebung aus dem Blick verlieren. Bleiben Sie wachsam. Stellen Sie sich drei kurze Fragen:
- Bleibt mein Boot frei von Felsen, Untiefen und anderen Schiffen, falls es schwojt oder ich vorwärts fahre?
- Wie verhalten sich Wind und Strom aktuell und könnten sie plötzlich zunehmen?
- Habe ich genug Tiefe und Raum zum Manövrieren, ohne Risiko einzugehen?
Wenn Sie unsicher sind oder sich bereits in einer heiklen Lage fühlen, probieren Sie keine komplizierten Manöver. Starten Sie den Motor, falls er nicht läuft, belegen Sie die Ankerleine an der Bugklampe und seien Sie bereit, das lokale Hafenamt, die Marina oder Ihre Charterbasis um Hilfe zu bitten. Haben Sie ausreichend Platz, ruhige See und eine gelassene Crew, können Sie mit dem Freibekommen beginnen.
Warum bleiben Anker in kroatischen Gewässern hängen?
Der Meeresboden der Adria hat seine Tücken. Wer die Ursachen kennt, ist entspannter und besser vorbereitet. Die häufigsten Gründe in Kroatien:
Felsiger Grund und große Steine
In vielen Buchten gräbt sich der Anker zwischen Felsen oder hakt unter einer Kante ein. Ziehen Sie aus der gleichen Richtung wie beim Setzen, können die Flunken tiefer greifen und sich regelrecht verkeilen.
Alte Ketten, Moorings und Treibgut
In stark frequentierten Ankerplätzen liegen mitunter alte Ankerketten, Mooringblöcke, Kabel oder anderer Unrat. Anker verhaken sich daran oder wickeln sich darum.
Bewuchs und Posidonia-Seegras
In vielen Regionen Kroatiens steht Posidonia unter Schutz. Mit korrekter Ankertechnik und Aufmerksamkeit für die Umwelt vermeiden Sie Verheddern, schonen den Meeresboden und sorgen für sicheres, entspanntes Ankern.
Falscher Leinen- bzw. Kettenvorlauf oder Richtungswechsel
Wenn Wind und Strom drehen und das Boot um den Anker schwojt, kann sich die Leine oder Kette um Felsen legen oder der Anker in einer neuen Position festkeilen.
Ein kurzer Blick auf Lot, Echolot und Karte vor dem Fallenlassen sowie etwas Geduld beim Setzen verhindert viele Probleme von vornherein.

Überblick: 3 verlässliche Wege, einen festsitzenden Anker zu lösen
Die meisten Skipper nutzen drei bewährte Methoden, um einen festsitzenden Anker zu befreien:
- Die natürliche Bootsbewegung für einen vertikalen Zug nutzen
- Die Zugrichtung ändern, indem Sie sanft gegen Wind oder Strom manövrieren
- Einen Bergerring mit Boje verwenden, sofern das passende Equipment an Bord ist
Behalten Sie dabei stets einen Sicherheitsaspekt im Blick. Vermeiden Sie übermäßige Lasten auf der Ankerleine oder Kette. Wird das System extrem gespannt, kann es schlagartig nachgeben. Dieser Rückschlag kann Crewmitglieder verletzen und Klampen, Ankerwinde sowie Beschläge beschädigen.
3 verlässliche Wege, einen festsitzenden Anker zu lösen

Methode 1: Natürliche Bootsbewegung nutzen (vertikales Anheben)
Dies ist oft der sicherste und einfachste Ansatz. Nutzen Sie die Bewegung des Bootes, um einen sanften, vertikalen Zug zu erzeugen, der den Anker aus dem Grund lösen kann.
Vorgehen:
1) Bug über dem Anker positionieren: Starten Sie den Motor, falls er noch nicht läuft. Während eine Person die Ankerwinde bedient oder Leine nimmt, manövriert die Skipperin bzw. der Skipper so, dass der Bug genau über dem Anker liegt. Holen Sie Kette oder Leine ein, bis das Boot buchstäblich darüber steht.
2) Ankerleine oder Kette an der Bugklampe sichern: Legen Sie eine Runde der Leine oder des Kettenschleppers um eine starke Bugklampe. Nicht komplett belegen. Behalten Sie das lose Ende in der Hand, um bei Bedarf schnell fieren zu können.
3) Die Wellenbewegung nutzen: Beobachten Sie die Bewegung des Bugs. Wenn der Bug ins Wellental fällt, nehmen Sie lose Leine auf, sodass stets Spannung bleibt. Steigt der Bug auf der nächsten Welle, hebt die vertikale Kraft den Anker häufig frei.
4) Hände und Boot schützen: Halten Sie Finger von Klampen und Leine fern. Löst sich der Anker, kann die Leine plötzlich springen. Holen Sie kontrolliert ein und bleiben Sie aufmerksam.
Oft kommt der Anker nach ein bis zwei sanften Hebebewegungen frei. Funktioniert es nach mehreren Versuchen nicht und die Last steigt weiter an, wechseln Sie zur nächsten Methode, statt immer stärker zu ziehen.
Methode 2: Sanft gegen Wind oder Strom manövrieren (Zugrichtung ändern)
Löst sich der Anker nicht über die Wellenbewegung, ändern Sie die Zugrichtung. Was sich aus einer Richtung verkeilt, lässt sich häufig aus der Gegenrichtung lösen. Diese Methode ist besonders geeignet, wenn der Anker unter einer Felslippe hängt. Sie benötigen ausreichend freien Raum vor dem Bug, da Sie langsam voraus manövrieren.
Vorgehen:
1) Boot erneut exakt über dem Anker ausrichten: Bringen Sie den Bug wieder über den Anker, halten Sie Leine oder Kette senkrecht und unter Spannung.
2) Leine an einer starken Bugklampe sichern: Die Ankerleine oder der Kettendämpfer bleibt an der Bugklampe. Nicht nach achtern verlegen. Ein Zug vom Heck kann kleine Boote mit dem Spiegel in die Wellen drücken und ist gefährlich.
3) Sehr langsam gegen Wind oder Strom vorausfahren: Mit gespannter Leine fahren Sie minimal voraus. Nutzen Sie niedrige Drehzahl und steigern Sie die Kraft behutsam, während Sie das Verhalten des Bugs beobachten.
4) Auf das Lösen des Ankers achten: Zunächst spüren Sie gleichmäßigen Widerstand. Beginnt sich der Anker zu bewegen, reduziert sich die Last oft plötzlich. Drosseln Sie sofort und holen Sie Leine ein, damit der Anker nicht erneut greift.
5) Wissen, wann Schluss ist: Wird der Bug stark nach unten gezogen, ächzen Klampe oder Klüse, oder fühlt sich das Boot unwohl, wirken zu hohe Kräfte. Sofort nachlassen. Besser stoppen als Schäden oder Verletzungen riskieren.
Methode 3: Bergerring und Boje verwenden (fortgeschritten)
Manche Crews führen einen Bergerring mit Auftriebsboje mit. Das System gleitet über die Ankerleine nach unten und nutzt Auftrieb plus Zug des Bootes, um den Anker anzuheben. Korrekt eingesetzt ist es sehr effektiv. Diese Methode ist fortgeschritten und eignet sich am besten bei ruhiger See und in freiem Wasser. Ist der Ankerplatz voll, das Wetter rau oder sind Sie unsicher im Umgang mit dem Gerät, verzichten Sie besser auf Experimente und holen Sie Hilfe. Grundprinzip der Anwendung:
1) Ring und Boje an der Ankerleine anbringen: Führen oder klipsen Sie den Ring am Bug über die Ankerleine, die Boje ist verbunden. Achten Sie darauf, dass die Leine frei durch den Ring laufen kann.
2) In einem sanften Winkel vorausfahren: Fahren Sie langsam in etwa 45 Grad zur ursprünglichen Ankerrichtung voraus. Während das Boot fährt, wandern Ring und Boje an der Leine zum Grund.
3) Die Boje hebt den Anker: Erreicht der Ring den Anker, heben Auftrieb und Zug den Anker vom Boden. Der Anker wandert dann an der Leine nach oben und taucht häufig neben der Boje auf.
4) Lasten aufmerksam beobachten: Wird die Leine extrem straff, zieht es den Bug merklich nach unten oder verliert das Boot deutlich Fahrt, reduzieren Sie sofort die Leistung.
5) Anker bergen: Sobald die Boje achteraus sichtbar ist und der Anker an der Oberfläche hängt, stoppen Sie das Boot, lassen es sachte im Leerlauf und holen den Anker an der Boje an Bord.
Weigert sich der Anker weiterhin, beenden Sie den Versuch und holen Sie Hilfe. Ein festsitzender Anker ist den Schaden an Ausrüstung oder ein Risiko für die Crew nicht wert.
Wenn der Anker sich immer noch nicht löst
Mitunter bewegt sich der Anker auch nach allen drei Methoden nicht. Dann bleiben drei realistische Optionen: unter Wasser kontrollieren, später zurückkehren oder den Anker aufgeben. Unterwasserkontrolle: Ist das Wasser flach, klar und ruhig und sind Sie eine geübte Schwimmerin bzw. ein geübter Schwimmer, können Sie mit Maske und Schnorchel nach dem Anker sehen.
Niemals allein abtauchen. Niemals bei starkem Strom. Niemals in Verkehrstrennungsgebieten. Niemals, während das Boot Fahrt macht. Sehen Sie genau, wie der Anker klemmt, können Sie vom Wasser aus die Skipperin bzw. den Skipper zu einem besseren Winkel dirigieren. Manchmal genügt eine kleine Korrektur unter Wasser. Ist die Sicht schlecht, das Wasser kalt oder fühlen sich die Bedingungen unsicher an, verzichten Sie auf diesen Ansatz und bleiben Sie an Bord. Leine ausbringen und später zurückkehren:
In manchen Situationen ist es sinnvoll, den Anker vorübergehend zu belassen und bei besseren Bedingungen zurückzukehren. Befestigen Sie eine gut sichtbare Boje am Leinenende, trennen Sie die Leine vom Boot, markieren Sie die Position und kommen Sie später wieder. Achten Sie darauf, dass die Boje klar erkennbar ist und dass keine lose Leine in Fährwege, Fahrwasser oder Badezonen ragt, wo Gefahr entstehen könnte.
Wann müssen Sie den Anker aufgeben?

Mitunter ist es sicherer, den Anker aufzugeben, als weiter zu zerren. Das gilt insbesondere, wenn:
- sich das Wetter rasch verschlechtert
- Sie auf Felsen oder flaches Wasser zutreiben
- die Lasten auf Klampen und Decksbeschläge offensichtlich zu hoch werden
Bleibt keine andere sichere Option, kappen Sie die Leine so, dass keine losen Enden nahe der Oberfläche treiben. Einen Anker zu verlieren ist ärgerlich, ein beschädigtes Boot oder verletzte Crew jedoch deutlich schlimmer. Informieren Sie anschließend Ihre Charterbasis und folgen Sie deren Anweisungen. Mitunter ist auch das zuständige Hafenamt zu unterrichten.
Was, wenn die Ankerleine verloren geht?
Manchmal ist nicht der Anker fest, sondern die Leine oder Kette hat sich gelöst. Ein Schäkelbolzen war nicht richtig gesichert, eine Leine ist durchgescheuert oder eine Klampe hat unter Last nachgegeben. Sofortmaßnahmen:
- Motor starten und das Boot sicher unter Kontrolle bringen
- Position, Tiefe und nahe Hindernisse prüfen
- Haben Sie eine Boje an der Ankerleine befestigt, suchen Sie diese optisch und auf dem Plotter
- Ist das Wasser zu tief oder zu kalt oder herrscht starker Verkehr und Strom, ist die Bergung das Risiko oft nicht wert. Behandeln Sie es als verlorenes Equipment, informieren Sie Ihre Charterfirma und folgen Sie deren Anleitung.
Wie vermeiden Sie in Kroatien künftig einen festsitzenden Anker?

Am besten ist es, das Problem gar nicht erst entstehen zu lassen. Mit etwas Vorbereitung beim Ankommen in der Bucht sparen Sie später viel Aufwand.
Einfache Anker-Routine für kroatische Buchten:
- Den richtigen Platz wählen. Suchen Sie helle Sandflächen statt Fels oder dichten Bewuchs. In vielen Buchten ist der Farbunterschied vom Deck aus gut zu erkennen. Sand wirkt heller und gleichmäßiger. Meiden Sie klar markierte Posidonia-Wiesen und Zonen mit Ankerverbot.
- Tiefe und Schwojkreis prüfen. Stellen Sie sicher, dass Sie auch bei Niedrigwasser genügend Tiefe unter dem Kiel haben und beim Schwojen andere Boote, Felsen oder Fischfarmen nicht berühren. Nutzen Sie das passende Verhältnis von Leine bzw. Kette zu Wassertiefe.
- Bei ruhigen Bedingungen genügt meist das Vier- bis Fünffache der Wassertiefe. Bei stärkerem Wind erhöhen Sie auf das Siebenfache oder mehr. So setzt sich der Anker zuverlässig und das Risiko sinkt, in Zonen zu driften, wo er sich festhaken kann. Setzen Sie den Anker langsam und mit Gefühl. Lassen Sie den Anker bis auf den Grund und fahren Sie dann behutsam rückwärts, damit sich Kette und Leine sauber legen und die Flunken greifen. Eile hilft hier nicht. Ein sauber gesetzter Anker wandert später seltener in Spalten.
Umwelt- und lokale Besonderheiten in kroatischen Gewässern
Kroatien setzt sich stark für den Schutz seiner Küsten und des Meeresbodens ein. Als Gast an Bord tragen Sie Mitverantwortung, die Ankerplätze für die Zukunft zu bewahren. Beachten Sie: Posidonia-Seegras ist in vielen Bereichen geschützt. Ankern in diesen Wiesen kann sie schädigen und ist teils eingeschränkt oder verboten. In Nationalparks und Schutzgebieten wie Kornati und Mljet gelten eigene Ankerzonen und Vorschriften. In einigen Gebieten gibt es Umweltbojen, die den Meeresboden schonen. Zurückgelassene Anker und Ketten können zur Gefahr für andere Boote, Taucherinnen und Taucher sowie Meereslebewesen werden. Müssen Sie einen Anker aufgeben, melden Sie dies Ihrer Charterbasis und geben Sie die ungefähre Position an. Prüfen Sie vor dem Ankern in neuen Gebieten stets die aktuellen Informationen des örtlichen Hafenamtes, der Parkverwaltung oder Ihrer Charterfirma.

Häufige Fragen zum festsitzenden Anker
Ja, sofern Sie sehr langsam und kontrolliert vorgehen, die Ankerleine an einer starken Bugklampe sichern und genügend Raum um sich haben. Hohe Leistung ist tabu. Brechen Sie sofort ab, wenn die Lasten zu groß werden.
